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Raus mit dir

22 Oct

Wenn die Erde dampft und duftet, Blätter und Beeren leuchten und der Morgennebel seinen zarten Schleier über alles legt, dann ist Herbst. Für mich eine magische Jahreszeit, der ich am liebsten mit viel Ruhe und Zeit beim Wandel zusehe. Wohl einer der schönsten Orte hierfür ist Bornholm.

 
Diese Luft! Dieses Licht! In Bornholm angekommen, atme ich das neue Gefühl von Freiheit. Kaum Touristen, kaum Autoverkehr, kaum Ablenkung. Dafür aber die volle Ladung Natur und Entschleunigung. Unsere erste Nacht verbringen wir im Auto an einem Waldrand an der Nordspitze Bornholms. Richtig schön romantisch und richtig schön unbequem. Ich bekomme fast kein Auge zu. Höre Äste knacken, Regen tropfen und Blätter rascheln. Mein Kopfkino startet und ich werde das Gefühl nicht los, dass dies unsere letzte Nacht gewesen sein könnte. Wäre ich Drehbuchautorin, Dramen wären mein Steckenpferd. Bei Sonnenaufgang schäle ich mich aus meinen wirren Gedanken und dem klammen Schlafsack. Und bekomme doch noch mein Happy End: Während ich mit meiner Zahnbürste lässig am Auto lehne, entdecke ich aus nächster Entfernung ein Reh, das mir direkt in die Augen schaut. Ganz ruhig und ganz friedlich. Diesem Moment lag so viel Zauber inne, dass ich noch heute ganz beseelt daran zurückdenke. Nach meiner überirdischen Begegnung starten wir unsere Wanderung zum Hammeren Fyr. Sein Licht leuchtete den Schiffen auf der vielbefahrenen Seestraße zwischen Bornholms Nord- und Schwedens Südspitze bis 1990 den Weg, dann wurde er abgeschaltet. Im Sommer kann man den Leuchtturm besichtigen und an klaren Tagen grandiose Aussichten übers Meer genießen. Von hier führt uns der Weg entlang der Steilküste zur Schlossruine Hammershus – eine der größten Nordeuropas.
 
 
Der Leuchtturm auf Bornholm befindet sich im Norden. Dort blühen auch wunderschöne Hortensien.  
Eine Ziege hält an der Küste Bornholms Ausschau nach Schiffen.
 
An der Westküste von Bornholm das Hammershus. Das ist eine der größten Burgruinen Nordeuropas.
 
Unsere zweite Nacht verbringen wir ebenfalls am Waldrand. Diesmal allerdings in einem muggeligen Häuschen samt Kamin in der Nähe des Ortes Gudhjem. Hier befindet sich auch das direkt am Meer gelegene Café Norresan. Eine absolutes Muss für die Kaffeepause zwischendurch. Was ich an Inseln so sehr liebe, ist die Allgegenwertigkeit des Wassers. Ganz nah kommt man dem Element an den Helligdomsklippen. Steilküsten mit tiefen Höhlen und hoch aufragenden Granitsäulen sind typisch für diese Gegend. Eine ganz besondere Attraktion ist die Höhle "Sorte Gryde", weil es hier möglich ist, etwa 60 Meter tief in den Fels vorzudringen. Direkt über den Klippen ist Bornholms Kunstmuseum mit atemberaubenden Ausblicken gesegnet. Neben der hauseigenen Sammlung, finden hier auch wechselnde Ausstellungen statt. Noch bis zum 13. November läuft die "European Glass Context", die zeitgenössiche Werke aus Glas oder Keramik zeigt. Besonders angetan haben es mir Alena Matejkas Glasskulpturen (ein Esel!) und der tropfende Wasserhahn von Riikka Latva-Somppi.
 
Ein Café an Küste von Bornholm. Mit Meerblick inklusive.
 
Die Klippen von Bornholm haben tiefe Höhlen, die man besichtigen kann. Natur pur!
 
Das Kunstmuseum in Bornholm bietet auch wechselnde Ausstellungen.
 
Das Kunstmuseum von Bornholm hat eine eigene Sammlung und bietet wechselnde Ausstellungen.
 
Im Süden liegen die Traumstrände Bornholms. Während der Sommerferien muss es hier zugehen wie am Timmendorfer Strand. Doch heute am 3. Oktober sind wir die einzigen Besucher. Zugegeben, so ganz gemütlich ist es nicht – es windet so stark, dass selbst Hamburgs Windgott neidisch werden könnte. Dafür wird man aber mal so richtig durchgepustet und bringt Hosentaschen voller Sand zurück. Als Erinnerung and das neue Gefühl von Freiheit.
 
Die Strände von Bornholm mit weißem Sand und viel viel Wind.
 
 
 

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